wabisabi (2016)

Zwei parallele Linien treffen sich, egal wie perfekt sie gezogen sind, in der Unendlichkeit. Der kurzsichtige Blick übersieht dies, erst die Weitsicht erkennt die Perfektion in der Imperfektion, also die Vollkommenheit in der scheinbaren Fehlerhaftigkeit. Demgemäß überlappen sich die beiden Bilder unterschiedlichen kulturellen Inhalts in unserer Arbeit. Der fotografische Hintergrund zeigt die Technische Universität Graz mit ihren synthetischen Linien aus Glas und Metall, die überblendende Zeichnung wiederum den Reinigungsvorgang zwischen den Sumo-Kämpfen des Komaba Sumo Klubs der Universität von Tokyo. Dieser Reinigungsprozess verweist auf das Konzept des Wabisabi, das nicht nur innerhalb der japanischen Kultur als universelles Grundprinzip existiert. In der synthetischen Umgebung können keine Spuren hinterlassen werden, was jeglichen Grundsätzen von Existenz und Harmonie innerhalb der Natur wiederspricht. Im Wabisabi wird die Harmonie hingegen u.a. über die Reinigung (als Metapher) ausgedrückt, ein sich ständig wiederholender Vorgang der aufzeigt wie Spuren entstehen und wieder entfernt, nur um wieder erschaffen zu werden. Das geisterhafte Erscheinen der Zeichnung orientiert sich am ewigen Kreislauf, der sich im Shintoismus und weiteren Teilen der japanischen Kultur wiederfindet. Die Geräusche, abwechselnd aus monotoner Synthetik und natürlicher Kulisse, unterstützen dabei das Gefühl der Wahrnehmung.

endless loop - Image in a virtual 3D space, photography and ink drawing (Verena Rotky) with sound

video: www.verenarotky.com/data/up...